Interview mit Christoph Heyes

Christoph Heyes ist Landesgeschäftsführer Nordrhein-Westfalen beim Bundesverband Deutsche Startups e.V. und erzählt im Interview von seinen Visionen für Nordrhein-Westfalen.

1. Du bist Landesgeschäftsführer beim Bundesverband Deutsche Startups. Was genau ist deine Aufgabe?
Im Kern: Unseren Verband - in seiner ganze Breite - auch in NRW erlebbar zu machen. Da wir erst seit letztem Sommer eine Landesgeschäftsstelle in NRW haben, versuche ich im Moment erstmal unsere Mitglieder persönlich kennenzulernen.

2. Wie kamst du zu der Position als Landesgeschäftsführer?
Vor etwas mehr als zwei Jahren habe ich als Leiter des Vorstandsbüros beim Startup-Verband angefangen. Als unser Regionalsprecher Torsten Jensen mich gefragt hat, ob ich zusätzlich dabei helfen möchte NRW zu pushen, habe ich als gebürtiger Niederrheiner natürlich sofort „Ja“ gesagt.

3. Was sind deine Ziele und woher kommt deine Motivation?
NRW ist ein tolles Bundesland zum Gründen, denn hier gibt es Kunden, Kapital und kluge Köpfe in großer Menge. Aber trotzdem werden diese Stärken immer noch zu schlecht verkauft. Gerne würde ich mit NRWalley helfen, das zu ändern.

4. Was sind deine größten Herausforderungen?
Bisher laufen wir überall offene Türen ein. Als Startup-Bewegung, die ganz NRW in den Blick nimmt, haben wir hier ja fast einen „unique selling point“. Aber wir müssen natürlich wirtschaftlich arbeiten, weshalb wir noch nicht alles machen können, was wir wollen.

5. Was war bisher dein Highlight im BVDS?
Tatsächlich der Kickoff zu NRWalley bei Gaffel in Köln. Dass im nordrhein-westfälischen Startup-Ökosystem Musik ist, wussten wir. Aber die Resonanz auf unseren Start hat uns dann doch umgehauen. An diesem Tag wurde nicht umsonst beschlossen, in NRW eine feste Stelle zu schaffen.

6. Welches waren die größten Meilensteine beim BVDS?
Wir wollen als Verband Startup-Themen in Gesellschaft und Politik nach vorne bringen. Deshalb waren die Koalitionsverhandlungen nach der letzten Bundestagswahl, bei denen wir von unseren zehn Herzensthemen neun 1:1 im Koalitionsvertrag unterbringen konnten, schon ein besonderer Erfolg. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man einen Satz den man selber geschrieben hat, später in so einem Papier findet.

7. Was sind die speziellen Ziele und Herausforderungen des BVDS in NRW?
Das Land hat großen Einfluss auf die Entwicklung des Startup-Ökosystems, auch wenn die Leute meist nur die großen Räder sehen, die im Bund gedreht werden. Die aktuelle Landesregierung sorgt, genau wie ihre Vorgänger mit der Einführung der Digital Innovation Hubs, für viel Bewegung. Wenn wir aber auf Dauer zur europäischen Spitze aufschließen wollen, muss uns noch mehr einfallen. Wir sprechen da oft von einem unfairen Standortvorteil, den wir brauchen – den wir aber auch erstmal finden müssen.

8. Welches Projekt hat dir bisher am meisten Spaß gemacht? Kannst du es genauer beschreiben?
Es gefällt mir, wenn ich ganz verschiedene Leute zusammenbringen kann. Das haben wir auf unserem Kickoff, aber auch auf der ersten Cologne Startup Summer Night geschafft. Und ich hoffe, dass uns das auch bei unseren künftigen Veranstaltungen gelingt.

9. Welche Pläne und Ziele hat der BVDS in NRW für 2019?
Nach Bonn, Köln, Düsseldorf, OWL, Aachen und dem Ruhrgebiet wollen wir mindestens noch einen Regionalsprecher für Münster onboarden. Auch unsere Veranstaltungen sollen mehr und mehr durch NRW wandern. Unser Anspruch ist es aber auch, in den ländlichen Räumen als Ansprechpartner zum Thema Startups bemerkt zu werden.

10. Der Deutsche Startup Monitor zeigt, dass NRW im Bereich der Gründungen deutlich aufgeholt hat. Was sind aus deiner Sicht die Gründe für diese Entwicklung?
Daran wirken meines Erachtens ganz viele mit: In NRW ist derzeit einfach vieles in Bewegung geraten und das nützt der Szene. Da sind die Landesregierung und die Wirtschaftsförderungen, die sich plötzlich viel stärker für Startups interessieren, die Digital Innovation Hubs, die das Thema pushen, immer mehr Vereine und Stammtische, die bei der Vernetzung helfen und auch mehr und mehr erfolgreiche Startups, die echte Leuchttürme für den Standort sind.

11. Wo hat NRW noch Schwachstellen?
Bei aller Bewegung und Begeisterung dürfen wir uns nicht im Klein-Klein verlieren. In NRW stößt man noch immer viel zu schnell an den nächsten Gartenzaun. Die Wirtschaftsförderungen, die Sparkassen, die IHKs und sogar die Hubs teilen dieses wunderbar große und vielfältige Land in viele kleine Räume. Dabei wird oft vergessen diesen Standort gemeinsam zu entwickeln und zu promoten. Bei anderen Themen – zum Beispiel bei der Expo Real – kriegen wir das hin, doch beim Thema Startups leider noch nicht.

12. Wie sieht für dich das perfekte Startup Ökosystem aus?
Puh, was ist schon perfekt? Es muss doch immer Bewegung drin sein, sonst gibt es keine Innovationen. Mir würde es für den Anfang schon reichen, wenn Firmen aus NRW künftig mehr vor der eigenen Haustüre nach Partnern suchen, statt ihre Startup-Programme in Berlin zu launchen.

13. Was sind aktuelle Trends in der Startup-Szene?
Erfreulicherweise erleben wir immer mehr Frauen, die ein Startup gründen – und ich persönlich habe den Eindruck, dass auch die Anzahl an älteren Gründern steigt. Dazu kommt, dass Ökonomie nicht mehr alles ist und sich immer mehr Social Startups gründen. Leider wird es aber auch für Startups schwerer Fachkräfte zu finden. Wobei das für NRW mit seinen 70 Hochschulen auch eine Chance sein kann.

14. Welche Gründungsidee sollte endlich umgesetzt werden?
Wenn ich die habe, dann werdet ihr es merken. Solange arbeite ich daran, die Idee, dass ohne die Chance zu scheitern nichts Neues entstehen kann, unters Volk zu bringen.

15. Wie würdest du den BVDS in 3 Hashtags beschreiben?
(#)laut
(#)motiviert
(#)nrwalley