Das Startup für die neue Arbeitswelt

Wie und wann Gründer auf die Idee für ihr Startup kommen, ist unterschiedlich: Im neuen Garten, der einen verzweifeln lässt oder einfach, weil man zur richtigen Zeit auf die richtigen Leute getroffen ist oder aber während der Arbeit bei einem großen Unternehmen, bei dem man Optimierungspotential sieht. Letzteres hat einen großen Vorteil: Den ersten potentiellen Kunden hat man quasi schon in der Tasche. So geht es den Gründern von Outerscore, Olaf Pätz und Olaf Matticzk. Was sie genau machen und woran sie bei Ignition gearbeitet haben, erzählen sie im Interview.

Interview mit Olaf Pätz und Olaf Matticzk von Outerscore

1. Wie erklärt ihr euren Großeltern, was ihr macht?
Die Arbeitswelt verändert sich: Schon in zwei bis drei Jahren wird die Mehrheit der für ein Unternehmen tätigen Arbeitskräfte nicht mehr festangestellt, sondern freiberuflich oder bei Dienstleistern arbeiten. Wir entwickeln die Software, mit der Unternehmen auf Knopfdruck und in Echtzeit Antworten auf folgende Fragen bekommen:
• Welche Externen arbeiten für wen an welchen Themen?
• Ist die Beschäftigung der Externen vollständig rechtskonform?
• Wie gut ist deren Arbeitsleistung?
• Welche Fähigkeiten sind momentan besonders gefragt?
• Bekommt man die besten Leute zum optimalen Preis?

2. Wer ist alles im Team und was sind die verschiedenen Aufgaben? Wie habt ihr euch gefunden?
Das aktuelle Gründungsteam besteht aus einem technischen und einem kaufmännischen Olaf: Olaf Matticzk ist als Java Engineer für die Programmierung der Software verantwortlich; Olaf Pätz für die Konzeption und alle geschäftlichen Belange. Gefunden haben wir uns über den Gründerstammtisch Düsseldorf – und sind den Veranstaltern dafür sehr dankbar. Neben uns arbeiten momentan noch drei Frontend-Entwickler und ein UX-Designer an unserem Projekt. Ohne diese tatkräftige Unterstützung würden wir nie so schnell vorankommen.

3. Wie ist die Idee zu Outerscore entstanden?
Die Idee reifte über die Jahre während Olaf Pätz‘ früherem Job für Bayer. Es war immer ärgerlich zu sehen, dass es keinerlei Transparenz im Bereich der Dienstleistungsbeschaffung gibt.
Die meisten großen Unternehmen haben keinen zentralen Überblick darüber, welche Zeitarbeiter, Freelancer oder auch Dienstleister für sie aktuell und in der Vergangenheit mit welchem Erfolg für wen gearbeitet haben. Aus gängigen ERP Systemen wie SAP lassen sich die benötigten Informationen nur auf einer hohen Abstraktionsebene beschaffen. Als dann im Verlauf des letzten Jahres das Thema Compliance bei der Beschäftigung von Fremdpersonal immer wichtiger wurde und es keine passende Software am Markt gab, war dies das entscheidende Signal für die Gründung von Outerscore.

4. Was waren bisher die größten Herausforderungen?
Bisher bestand die größte Herausforderung in der Softwareprogrammierung. Wirklich gute Entwickler zu finden, kann eine sehr zeitraubende Angelegenheit sein. Von rund 20 bis 30 gescreenten Firmen und Freelancern kam für uns letztlich nur eine Firma in Frage. Ein Glückstreffer: Bisher sind wir mit unserer Wahl sehr zufrieden.

5. Was war der schönste Moment bisher in der Gründungsphase?
Der Moment, als wir die Demo-Version unserer Software das erste Mal vor potentiellen Kunden vorgestellt haben und nach dem Termin wussten, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

6. Woran habt ihr bei Ignition gearbeitet?
Nach der Einführungswoche haben wir verstärkt Kundenfeedback zu unserem Konzept eingeholt, was extrem hilfreich für uns war. Durch das Programm konnten wir die eigentliche Softwareentwicklung für unser Minimal Viable Product (MVP) extrem beschleunigen.

7. Wie sehen die nächsten Schritte aus? Was wünscht ihr euch für die Zukunft eures Startups?
Unsere nächsten Schritte bestehen in der Fertigstellung unseres MVP und dem Aufbau des Vertriebs. Wir hoffen, dass wir bald erste Unternehmens-Kunden finden, sodass wir uns bootstrappen und ein Team aufbauen können.

8. Wie beurteilt ihr die Startup-Szene in Düsseldorf und was wünscht ihr euch noch?
Aus unserer Sicht hat sich die Szene hier in den letzten drei Jahren enorm entwickelt – quasi von 0 auf 100 – die Startup-Woche, der digihub, der Startplatz, der NKF Summit – um nur einige Beispiele zu nennen. Wenn wir uns etwas wünschen könnten, dann wären das noch themenspezifischere Austauschmöglichkeiten mit Corporates und eine lokale Plattform, um Hipster (Designer), Hustler (Marketeers) und Hacker (Entwickler) zusammenzubringen.

9. Wenn ihr Startups und Gründern noch einen Tipp geben könntet, was wäre das?
Plant am Anfang ausreichend Zeit ein, um zunächst intensiv mit potentiellen Kunden zu sprechen und den Markt detailliert kennenzulernen. Als Gründer hat man die Tendenz so ‚verliebt‘ in seine eigene Idee zu sein, dass man seinen Ansatz nur ungerne in Frage stellt. Das kann teuer werden …