Smart City Challenge – eine Herausforderung für Stadt, Land, Fluss

Peter Adelskamp ist als Chief Digital Officer (CDO) unmittelbar dem Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf unterstellt und koordiniert die Digitalisierung an der Schnittstelle zwischen Verwaltung, örtlicher Gemeinschaft und der Region. Im Interview spricht er über seine Rolle als CDO und wie er Düsseldorf fit für die Zukunft machen will.

1. Warum braucht Düsseldorf einen CDO?
Düsseldorf zieht als eine lebens- und liebenswerte Stadt mit unglaublicher Dynamik immer mehr Menschen und Unternehmen an. Durch die Digitalisierung und die Umsetzung von Smart City-Projekten können wir die Leistungsfähigkeit der Verwaltung verbessern, die Lebensqualität steigern, die Wettbewerbsfähigkeit für Unternehmen erhöhen und gemeinsam Düsseldorf weiterentwickeln.
Digitalisierung betrifft nämlich nicht nur den internen Betrieb einer Stadtverwaltung, sondern auch die Stadtgesellschaft und Unternehmen. Hier stehe ich als Ansprechpartner und digitaler Lotse zur Verfügung. Durch einen engen Austausch mit Unternehmen und Verwaltungen entwickeln sich Ideen und Lösungen, die in die Verwaltung hineingetragen werden.

2. Wie erklärst du Smart City in 3 Hashtags?
Lebensqualität
Wettbewerbsfähigkeit
fürdiemenscheninunsererstadt

3. Ich bin bei der Smart City Challenge dabei, weil…
… hier viele Menschen zusammenkommen, die in ganz unterschiedliche Richtungen denken. Das produziert neue Ideen, neue Sichtweisen und führt dazu, manche Überlegungen noch einmal sinnvoll zu hinterfragen. Die digihub Smart City Challenge hilft Startups bei ihrer Entwicklung, woraus Großartiges entstehen kann.

4. Die Stadt Düsseldorf war letztes Jahr selbst aktiv als Hackathon-Partner dabei. Es ging um die Herausforderung Behördenprozesse zu digitalisieren und die Kommunikation mit Unternehmen zu vereinfachen. Wie hat sich dieses Thema aufgrund des Hackathons entwickelt und wo steht ihr heute?
Die Erfahrungen aus dem letzten Jahr war sensationell. Ich hätte vorher niemals gedacht, dass in so kurzer Zeit ein komplexes Thema wie die Gestaltung eines Serviceportals von so vielen Seiten beleuchtet und entwickelt werden kann – und das mit wildfremden Menschen.
Wir haben als Hackathon-Thema die Bereitstellung eines Serviceportals bearbeitet. Viele der Ideen konnte ich mitnehmen und bei der Konzeption des neuen Portals berücksichtigen. Fast genau ein Jahr später haben wir seitens der Landeshauptstadt Düsseldorf das Serviceportal unter der Adresse service.duesseldorf.de gestartet.

5. Welche großen Ziele hast du im letzten Jahr erreicht?

  1. Das Serviceportal kann durchaus als Meilenstein für die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen betrachtet werden. Durch den technischen Rahmen des Portals und die modularen Basisdienste wie E-Payment, Intelligente Formulare mit Ausfüllassistenten, Servicekonten, Online-Postfächern und Print@Home können nun immer mehr Verwaltungsdienstleistungen digitalisiert werden. Das solche Lösungen funktionieren, beweist der Prozess Bewohnerparken, den wir mit der neuen Technik vollständig automatisiert und digitalisiert haben. Innerhalb von sechs Wochen ist dieser Dienst von über 1.800 Bürgerinnen und Bürgern genutzt worden. Die Ausstellung reduzierte sich für die Online-Nutzerinnen und -Nutzer von mehreren Stunden auf knapp 10 Minuten.

  2. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Breitbandausbau. Hier konnten wir erfolgreich Fördermittel in Höhe von 13,5 Mio. EUR für unterversorgte Gebiete von Bund und Ländern beantragen, die wir auf insgesamt 15 Mio. EUR aufstocken. Daneben haben wir mit der „Deutscher Glasfaser“, „Vodafone“ und der „Deutschen Telekom“ Kooperationsverträge abgeschlossen, wodurch der marktgetriebene Ausbau insbesondere in Gewerbegebieten einen deutlichen Schub bekommen hat. Mit „Unitymedia“ haben wir den Gigabit-Ausbau für Düsseldorf gestartet, wovon die 160 Düsseldorfer Schulen profitieren können, indem die WLAN-Ausstattung aller Schulklassen mit den erforderlichen Bandbreiten hinterlegt werden.

  3. Nicht zuletzt hat die Landeshauptstadt Düsseldorf unter der Federführung des Amtes für Verkehrsmanagement den Masterplan „Green City Mobility“ aufgelegt, der sich z.B. mit der NOx-Reduzierung, emissionsarmen Antrieben und intelligenter Innenstadtlogistik befasst, die für bessere Luft, Nachhaltigkeit und ein lebenswertes Stadtumfeld sorgen werden.

6. Welches Projekt willst du unbedingt in Düsseldorf umsetzen?
Ich möchte mich in Zukunft verstärkt mit der Datenbeschaffung, -analyse und -nutzung im städtischen Umfeld („Urban Data“) beschäftigen, damit es der Verwaltung, den Unternehmen sowie den Bürgern und Besuchern unserer Stadt möglich ist, in Zukunft bessere Entscheidungen zu treffen.
Beispiele hierfür sind:
• Stadt- und Straßenentwicklung können besser auf die Bedürfnisse abgestimmt werden,
• Fahrzeugsensorik bildet die Grundlage für die Entschärfung von kritischen Situationen im öffentlichen Straßenraum und für die Vermeidung von Unfällen,
• Mobilitäts- und Sharingangebote ermöglichen die effiziente Nutzung verschiedener Fortbewegungsmittel und entlasten damit den Verkehr und den Parkraum.
Dabei hört die Digitalisierung nicht an den Stadtgrenzen Düsseldorfs auf. Wenn wir uns Gedanken machen, wie wir mit den Daten nutzbringend umgehen können, müssen wir auch überregional denken.

7. Wie sieht für dich die perfekte Stadt aus?
Die Stadt ermöglicht durch viele grüne Zonen eine angenehme Nutzung des öffentlichen Raumes. Infrastrukturen sind zeitgemäß, leistungsfähig und sauber. Leben und Arbeiten lassen sich je nach Bedarf gut kombinieren oder abgrenzen. Die Menschen sind offen, tolerant, hilfsbereit und aufgrund einer angenehmen Verkehrssituation entspannt. Die Vielfalt der Menschen spiegelt sich in der Vielfalt der kulturellen und gastronomischen Angebote wieder. Mobilität wird nicht mehr von vielen parkenden Autos dominiert, sondern durch autonom fahrende emissionsfreie Fahrzeuge, die bedarfsorientiert und spontan genutzt werden können. Hierdurch konnte Parkraum an die Stadtgesellschaft zurückgegeben werden.

Danke für das Interview, Peter! Wir sehen uns bei der Smart City Challenge :-)