Mehrwert durch ein Spin-Off

Startups entstehen nicht immer in der Garage der Eltern. Ein großer Teil der Neugründungen geht aus bestehenden Unternehmen sowie Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen hervor. Warum sich Corporates und Hochschulen dazu entscheiden (sollten) und was die Besonderheiten solcher Startups sind, erklärt dieser Artikel.

Raum für Neues: Spin-Offs aus Unternehmen

Etablierte Unternehmen sind auf Innovationen angewiesen, um auch in der Zukunft auf dem Markt mithalten zu können. Da im laufenden Tagesgeschäft die Strukturen oft fest sind, schaffen sie mit Ausgründungen, sogenannten Ablegern oder Spin-Offs, Raum für neue Entwicklungen. Das Mutterunternehmen kann sich so weiterhin auf das Kerngeschäft fokussieren, ohne die Möglichkeiten für Neuerungen zu verpassen.

Dafür stellen sie geeignete Mitarbeiter frei und geben ihnen die nötigen Ressourcen an die Hand, um Ideen zu entwickeln und sie marktreif zu machen. Der Vorteil ist, dass die ausgegründeten Unternehmen meist auf die Ressourcen des Mutterunternehmens zugreifen können, gleichzeitig aber nicht an das „Korsett“ einer in Jahrzehnten entstandenen Unternehmensstruktur gebunden sind. So können die Startups unkonventioneller und risikoreicher agieren.

Neuentwicklungen benötigen zudem eine ganz andere Aufmerksamkeit als das Kerngeschäft. Auch werden Kosten und Umsatz am Anfang sehr stark schwanken. In einem eigenen Unternehmen lässt sich die Innovation viel besser beobachten: Gewinne und Verluste sind durch ein eigenes Rechnungswesen transparent, die Kennzahlen lassen sich durch unabhängiges Controlling überwachen. Entscheidungen über die Zukunft des Spin-Offs lassen sich so qualifizierter treffen.

Ein bekanntes Spin-Off ist zum Beispiel Osram (Siemens). Aber auch mittelständische Firmen entscheiden sich für die Auslagerung von Ideen in neue Unternehmen. Das Logistik-Unternehmen ABC-Logistik aus Düsseldorf beispielsweise hat für die Ideen zur einer Neugestaltung des Lieferverkehrs die Marke „incharge“ entwickelt. Die Vorteile der Ausgründung liegen für Michael te Heesen, Gründer von incharge und leitender Mitarbeiter der ABC-Logistik, auf der Hand: „incharge ist flexibel und nicht an das zwanzig Jahre alte ‚Schlachtross’ ABC-Logistik gebunden. Dennoch braucht es für so einen ‚Umsturz’ Vertrauen, das wiederum durch Erfahrung aufgebaut wird.“ Hier findest du das Interview in voller Länge!

Forschungsergebnisse in Geld und Renommee verwandeln: Ausgründungen aus Hochschulen

In den Laboren und Seminarräumen von Universitäten und Fachhochschulen tüfteln Wissenschaftler tagein tagaus an neuen Erkenntnissen und Methoden. Ihnen bietet sich ein ideales Umfeld: Ohne wirtschaftlichen Zwang können sie frei forschen, haben Zugang zu benötigten Ressourcen wie technisches Equipment und Manpower und betreiben Wissensaustausch mit anderen Universitäten. Außerdem stehen ihnen renommierte Professoren zur Seite.

Klar, dass da zahlreiche Ideen und Innovationen entstehen, die auch wirtschaftlich nutzbar gemacht werden können. Was liegt da näher, als dass die Forscher einfach selbst ein Unternehmen gründen? Um das machen zu dürfen, müssen die Universitäten die Forschungsergebnisse freigeben. Da die Hochschulen von den Ausgründungen profitieren, tun sie das in der Regel gerne: Laut Gründungsradar haben deutsche Hochschulen im Jahr 2016 fast 6500 Gründungsprojekte betreut.

Durch die hervorragenden Bedingungen unter denen solche Startups starten, sind die Erfolgschancen im Gegensatz zu „gewöhnlichen“ Neugründungen auch sehr hoch. Daher lohnt sich der Invest der Unis auch finanziell. Außerdem schaffen erfolgreiche Ausgründungen Renommee. Wer viele Startups hervorbringt, gilt in der Hochschullandschaft als modern und praxisnah, was wiederum die besten Studierenden aus der ganzen Welt anzieht. Aber auch für die Hochschulregionen sind die Unternehmen attraktiv: Sie schaffen Arbeitsplätze und füllen durch ihre hohen Umsätze die Steuerkassen.

Viele Universitäten bemühen sich aktiv darum, ihre Studierenden zum Gründen eines Unternehmens zu animieren. Dafür bieten sie zahlreiche Unterstützungsangebote wie Beratungen und Workshops. An der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gibt es das „Center for Entrepreneurship“ als Anlaufstelle für Gründungsinteressierte. In den letzten Jahren sind zahlreiche Unternehmen aus der Uni Düsseldorf hervorgegangen, wie „citavi“, das ein Literaturverwaltungstool für wissenschaftliche Arbeiten anbietet, oder „FES Sensor Technology“, ein Unternehmen, das sich auf innovative Gas-Sensortechnologien spezialisiert hat.

Förderung für Uni-Startups

Über das EXIST-Programm fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Universitäten und Gründungswillige bei ihren Vorhaben. Mehr als zwanzig Hochschulen nehmen daran teil und sind offizielle „EXIST-Gründerhochschulen“, wie die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Auch das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt Gründer und schreibt regelmäßig den Förderwettbewerb „START-UP-Hochschul-Ausgründungen“ aus.

So profitieren Unternehmen und Hochschulen vom digihub

Der digihub bietet durch seine Veranstaltungen Plattformen für Unternehmen und Universitäten, um Impulse für Innovationen zu bekommen und Menschen in Austausch zu bringen. Gründungswillige aus Unternehmen und Hochschulen bekommen Input von außen, von Menschen, die einen neuen Blickwinkel schaffen. Es lohnt sich, in der Startup-Szene am Ball zu bleiben, da auch Ausgründungen von den oft unkonventionellen Formen der Arbeitsorganisation und Ideenfindung von klassischen Startups profitieren.

Auch „incharge“, das Spin-Off der ABC-Logistik, nahm seine Anfänge bei einer Veranstaltung des digihub, „Smart City 2020“ im Juni 2017. „Wir haben das von uns erkannte Problem dort vorgestellt und stießen auf großes Interesse. Drei weitere Teilnehmer haben uns dann dabei unterstützt, die Idee während der Veranstaltung weiterzuentwickeln,“ erzählt Michael te Heesen im digihub-Interview. Konkret wurde das Produkt im Rahmen des Ignition-Programms. Im Dezember 2017 ging incharge an den Markt.

Tipps für Gründer von Unternehmens- und Hochschul-Spin-Offs

  • Zusätzliche Qualifikationen: Allein das fachliche Know-how reicht nicht, um ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen. Kenntnisse im Finanz- und Marketingbereich sind unabdingbar für den Erfolg. Daher sollten sich Gründer aus Hochschulen unbedingt nach Partnern umsehen, die das Team mit diesen Kenntnissen ergänzen.
  • Oft fahren die Gründer zweigleisig: Neben dem Startup sind sie weiterhin für Aufgaben im Tagesgeschäft oder ihrem Forschungsprojekt zuständig. Da ist es wichtig, einen klaren Cut zu machen, da sonst Überarbeitung und Chaos droht. Die Interessen von beiden Seiten sollten klar auseinandergehalten werden.
  • Die Kontrolle behalten: Von Anfang an sollte den Mitarbeitern klar sein, was mit dem Spin-Off erreicht werden soll, welche Freiheiten sie haben und auf welche vorhandenen Ressourcen sie zurückgreifen dürfen.