Pusten statt pieksen: innoMMT schafft die Bluttests ab

Die Startups, die am Ignition-Programm teilnehmen, kommen aus den verschiedensten Branchen. Einige von ihnen haben das Zeug, in ihrer gehörig aufzuräumen. Das MedTech-Startup innoMMT ist so eins. Co-Founderin Lena Ehrenpreis erzählt im Interview, wie ihre Idee entstand, was die Vor- und Nachteile einer Uni-Ausgründung sind und was sie bei Ignition gelernt hat.

1. Wie erklärt ihr euren Großeltern, was ihr macht?
Wir bauen quasi einen Alkoholtester, nur dass man mit dem nicht den Alkohol-Gehalt, sondern eben verschiedene Krankheiten diagnostizieren oder überwachen kann.

2. Wer ist alles im Team und was sind die verschiedenen Aufgaben?
Das aktuelle Gründungsteam besteht aus echter Frauen-Power: Christiane Schüle, Dipl.-Chem. und Dipl.-Wirt. Chem., die für die geschäftlichen Schwerpunkte zuständig ist und Lena Ehrenpreis, M. Sc. Medizinische Physik, die die technische Seite abdeckt.
Unterstützt im Informatik-Bereich werden wir durch unseren ehemaligen Mit-Gründer Fabian Meyer. Und als Ausgründungs-Unternehmen der Uniklinik Düsseldorf sind wir dankbar für die Unterstützung von Prof. Dr. Dr. Jörg Schipper, Direktor der HNO-Klinik hier in Düsseldorf.
Aber da stehen natürlich auch noch eine ganze Menge anderer Mithelfer hinter der Geschichte, ohne die es nicht gehen würde.

3. Wie ist die Ideen zu innoMMT entstanden?
Kennengelernt haben wir uns in der Physik, im Materialwissenschaftsinstitut, während meiner Bachelorarbeit, in der es um Gassensoren ging. Da wurde an Sensoren für die Atemgas-Analytik gearbeitet. Im Laufe der Zeit hat sich dann die Idee entwickelt, ein Gerät auf den Markt zu bringen, mit dem man Atemtests selbst durchführen kann. Einfach, schnell und von Zuhause aus. Durch Gespräche mit Medizinern und Betroffenen bestätigte sich der Wunsch für so eine Möglichkeit. Und dann dachten wir – nichts wie los!

4. innoMMT ist an der Heinrich-Heine-Universität entstanden. Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen einem „normalen“ Startup und einer Hochschulausgründung?
Das Entspannte an einer Ausgründung an der Hochschule sind die großen Ressourcen, die einem die Möglichkeit geben, in Ruhe und fokussiert zu tüfteln. Allerdings fehlt es durch große, administrative Komplexe auch manchmal an Schnelligkeit, was das Drehen und Wenden im „normalen“ Startup-Alltag so spannend macht. Es hat alles seine Vor- und Nachteile.

5. Was waren bisher die größten Herausforderungen?
Darauf zu achten, dass alles, was so rechts und links der Entwicklung des eigenen Produkts abläuft, wie beispielsweise rechtliche Dinge, nicht hinten über fallen und immer etwas mehr Zeit und Nerven kosten, als man das gern hätte.

6. Was war der schönste Moment in der Gründungsphase?
Der Moment, in dem wir es geschafft haben, allein mit unserer Idee unsere allererste Förderung (EFRE.NRW Hochschulausgründung) zu bekommen. Da hat man das erste Mal das Gefühl, dass man mit seiner Idee gar nicht so falsch liegen kann.

7. Wie habt ihr vom Ignition-Programm erfahren?
Das war auf einer Veranstaltung von LifeScienceNet Düsseldorf, BioRiver Life Science im Rheinland e.V. und dem digihub auf der Medica 2017. Wir haben dort bei „Startups meet Medica“ gepitcht.

8. Wie empfandst du bzw. ihr den Bewerbungs- und Auswahlprozess von Ignition?
Wir hatten den großen Luxus ins Ignition Programm so „reingerutscht“ zu sein. Auf der Medica Veranstaltung hatten wir uns nachher noch mit Wodad unterhalten und ein paar Wochen später einen Termin mit dem digihub gemacht. Anscheinend hatten wir es mit unserem Pitch geschafft, das digihub-Team zu überzeugen und uns dadurch einen offen gewordenen Platz im laufenden Batch ergattert. Manchmal hat man einfach Glück!

9. Welche Erwartungen hattet ihr an das Programm und wurde sie erfüllt?
Vom Ignition-Programm hatten wir uns erhofft, unser Netzwerk hier in Düsseldorf zu erweitern und Kooperations-Partner zu finden, damit wir unseren Prototypen bauen können. Das läuft bisher auch mehr als gut – wir freuen uns schon darauf, was wir auf dem Demo Day präsentieren können.

10. Was war das Beste, was ihr aus dem Programm mitnehmen konntet?
Manchmal tut es einfach gut, mal einen Schritt zurück zu treten und sich die Dinge aus etwas größerer Entfernung anzuschauen – der Schlüssel ist kritisches Denken und ruhig auch mal Andere fragen. Es bringt nichts allein mit sich selbst und dem eigenen Produkt auf einer rosa Wolke zu sitzen.

11. Für wen eignet sich „Ignition“?
Für wirklich jeden der Bock hat, seine Idee eines digitalen Produkts zu durchleuchten und mit einer Menge Knowhow und Hilfe aus dem Kopf in die Wirklichkeit zu holen.

12. Würdest du das Programm weiterempfehlen?
Definitiv!

13. Wie sehen die nächsten Schritte aus?
Momentan sind wir in der ersten Entwicklungs-Iteration unseres Prototypen und zusätzlich am Sichern der Anschlussfinanzierung.

14. Wie beurteilt ihr die Startup-Szene in Düsseldorf und was wünscht ihr euch noch?
Ohne die ganzen Netzwerke, die in Düsseldorf super zusammenarbeiten, wären wir sicherlich nicht im digihub gelandet. Egal in welcher Branche man ist – irgendwer, kennt immer irgendwen, der einem weiterhelfen kann, oder gerade erst mit denselben Problemen gekämpft hat. Man muss nur vor die Tür zu den vielen Netzwerktreffen gehen, da gibt’s fast täglich was.
Wenn wir uns was wünschen würden, dann wäre das als naturwissenschaftliches Startup vielleicht eine etwas verbesserte Labor-Situation. Aber auch da rüstet der Standort Düsseldorf und Umgebung auf.

15. Wenn ihr Startups und Gründern noch einen Tipp geben könntet, was wäre das?
Einfach machen.

16. Und zuletzt: Besteht die Chance, dass ich bald nie wieder Blutabnehmen lassen muss? Mir graut es sehr vor Nadeln!
Das wäre jetzt zu viel versprochen, aber wir werden dafür sorgen, dass immer mehr Bluttests durch mobile Atemtests ersetzt werden!

Vielen Dank für das Interview! Mehr Infos zu innoMMT findet ihr unter www.innommt.de