Abwasser wird digitalisiert

Wer beschäftigt sich schon gerne mit Scheiße? Das Team von Kanal-Netz! Auf dem Smart City Hackathon im September 2018 trauten sich Elisabeth Schloten, Roland Kapust und Chinsanaa Adam an das unliebsame Thema „Abwasser“ heran und entwickelten eine Idee, mit der sie alle überzeugten. Bei Ignition wird aus dieser Idee ein Produkt. Wie das läuft, davon erzählt Elisabeth Schloten im Interview.

1. Wie erklärt ihr euren Großeltern, was ihr macht?
Wir sorgen dafür, dass im Abwasserkanal alles sauber ist und dass eure Abwassergebühren nicht verschwendet werden. Dafür vernetzen wir die Kanäle und die Sinkkästen und lassen sie selbständig melden, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Das ist viel billiger, als in regelmäßigen Abständen nachzugucken. In Summe lassen sich mit unserem Verfahren in deutschen Städten bis zu 430 Mio € pro Jahr sparen.

2. Ihr habt am Smart City Hackathon des digihub teilgenommen. Wie lief der für euch und welche Idee habt ihr präsentiert?
Beim Hackathon war unsere Challenge am Anfang gar nicht so beliebt, weil wir uns sprichwörtlich mit Scheiße beschäftigen. Die anderen Smart City Themen sind auf den ersten Blick attraktiver. Dann lief es aber super, weil wir ein Team von Experten aus allen wichtigen Bereichen hatten und so eine relativ vollständige Lösung mit dazu passendem Business Case präsentieren konnten. Es geht darum, die Reinigung von Abwasserkanälen und Sinkkästen von turnusmäßiger Reinigung auf wirklich bedarfsgerechte Reinigung umzustellen, mit Hilfe von Algorithmen und vernetzten Sensoren. Im Prinzip machen wir Predictive Maintenance für Abwasser.

3. Wie geht es jetzt weiter mit eurer Idee?
Wir haben eine Firma gegründet und arbeiten fleißig daran. Wir sind auf dem Weg, die Idee zum Produkt zu machen.

4. Woran genau arbeitet ihr im Rahmen des Ignition-Programms?
Wir arbeiten am Algorithmus, der die Ablagerungswahrscheinlichkeiten berechnet, sowie an den explosionsgeschützten Sensoren.

5. Was waren bisher die wichtigsten Learnings, die ihr aus der Zeit bei Ignition mitnehmen werdet?
Das ganze Thema Marketing und Vertrieb kann man gar nicht früh genug oder strukturiert genug anfangen. Gleiches gilt für das Kundenfeedback – das ist der Startpunkt von allem. Wenn der Zielkunde das Problem nicht kennt, dann versucht man vermutlich das falsche Problem zu lösen.

6. Wenn ihr einen Wunsch bei einer guten Fee frei hättet, was würdet ihr euch wünschen?
Nur einen Wunsch? Moment – die guten Feen geben doch immer drei Wünsche? In der Reihenfolge – fertige explosionsgeschützte Sensoren, eine Million Euro und einen richtig guten Software-Entwickler.

7. Wie beurteilt ihr die Startup-Szene in Düsseldorf?
Die Community ist ziemlich gut: die Hilfsbereitschaft untereinander, die Ideen, etc. Das ist sehr viel wert. Im Startplatz habe ich schon viele Leute kennengelernt, die mich bei verschiedenen Themen unterstützt haben und andersrum. Potenzielle Investoren für große Beträge finde ich eher außerhalb der etablierten Szene. Im Rahmen von Accelerators und so sind die Beträge für manche Projekte viel zu klein.

8. Wenn ihr Startups und Gründern noch einen Tipp geben könntet, was wäre das?
Wenn ihr eine Idee habt:
Schritt 1: Mit den Zielkunden das Problem verifizieren.
Schritt 2: Wenn das Problem echt ist – traut euch! Legt los!

Vielen Dank für das Interview!

Mehr Infos über Kanal-Netz gibt es hier: www.kanal-netz.de