Gute Bots, schlechte Bots

Spätestens seit dem US-Wahlkampf 2016 hat jeder schon einmal von ihnen gehört, den Bots. In den sozialen Netzwerken sollen sie für Hillary Clinton und noch mehr für Donald Trump Meinungsmache betrieben haben. Aber es gibt durchaus auch praktische und harmlose Anwendungsmöglichkeiten. Welche genau, erklären wir in diesem Artikel.

Was genau ist eigentlich ein Bot?

Bot ist kurz für „Roboter“ und bezeichnet ein automatisiert ablaufendes Computerprogramm, das bestimmte Aufgaben wiederholt abwickelt. Ein Mensch wird dabei nur für die initiale Programmierung benötigt, ansonsten kann ein Bot völlig ohne menschliche Einmischung arbeiten.

Wo werden Bots eingesetzt?

In Computerspielen sind es die Figuren, hinter denen keine menschlichen Spieler stecken. Sie dienen meist als Hilfen für die „echten“ Spieler.

Suchmaschinen setzen Bots ein, sogenannte „Crawler“, um Webseiten nach relevanten Inhalten zu durchsuchen.

Apple-User kennen Siri, Benutzer von Android-Geräten Alexa: Die Sprachassistenten-Apps reagieren auf Gesprochenes. Du sagst ihnen, was sie machen sollen und sie rufen Mama an, öffnen Apps, suchen bei Google, rufen Webseiten auf u.v.m.

Bei der Bank, Versicherung oder dem Online-Shop werden automatisierte Chats im Kundensupport angeboten. Die Bots sind mit den am meisten gestellten Fragen gefüttert. Stellt ein Kunde eine dieser Fragen, erhält er sofort die richtige Antwort. Stellt er eine dem Programm unbekannte Frage, wird er an einen menschlichen Kundenbetreuer weitergeleitet. Die Vorteile sind Zeitersparnis für den Kunden und Senkung der Personalkosten auf Seiten des Serviceanbieters.

Zeitungen oder Agenturen nutzen Bots, um bei Facebook oder Twitter automatisch Posts abzusetzen. Erscheint auf ihrer Internetseite ein neuer Artikel, stellt ein Bot aus der Überschrift und dem Artikelfoto automatisch einen Post zusammen und teilt diesen.

Wann werden sie gefährlich?

So weit, so harmlos und praktisch. Nervig werden Bots, wenn sie das Netz nach E-Mail-Adressen absuchen und Spam verschicken. So kann auch der ein oder andere Virus oder Trojaner verbreitet werden.

Wenn Bots als echte Menschen „verkleidet“ werden und in sozialen Netzwerken aktiv sind, heißen sie „Social Bots“. Diese können beispielsweise von selbst Posts liken, teilen und kommentieren. Sie können automatisiert jeden Online-Artikel, in dem das Wort „Flüchtlinge“ auftaucht, mit dem Hashtag „wähltAfd“ versehen und teilen. Und dann wird es problematisch.

Wird ein Post gehäuft mit Likes oder anderen Interaktionen versehen, belohnen die Algorithmen von beispielsweise Facebook dies und zeigen den Post häufiger in der Timeline andere User an. Die echten User sehen diese vermeintlich beliebten Posts und reagieren ebenso darauf. Was beliebt ist kann ja nicht falsch sein. So verbreiten sich Fake-News, Hetze und Propaganda und gelangen in den öffentlichen Diskurs.

Der Grad der Aufmerksamkeit in sozialen Medien wird häufig auch außerhalb des Mediums als Stimmungsbarometer verwendet. Trendet etwas bei Facebook, Twitter und Co., nehmen Zeitungen und andere Medien die Themen auf, sodass die Aufmerksamkeit noch größer wird.

Woran erkenne ich einen Bot in den sozialen Netzwerken?

Gut gemachte Bots haben ein Profilfoto, Freunde bzw. Follower und eine Biografie. Das macht es auf den ersten Blick schwer, sie zu enttarnen. Dennoch gibt es ein paar Indizien, die darauf hinweisen könnten, dass es sich um einen Fake handelt:

  • Ein User postet sehr viel und immer zur gleichen Uhrzeit – kein Mensch ist so diszipliniert.
  • Seine Freunde bzw. Follower stammen alle aus anderen Ländern oder sprechen andere Sprachen als der User – vermutlich ist der Bot auch nur mit Bots befreundet.
  • Einige Posts ergeben inhaltlich keinen Sinn oder enthalten viele Fehler – bei automatisierten Posts schleicht sich immer irgendwann Nonsens ein.
  • Stelle ihm eine unerwartete Frage – kann der User nicht sinnvoll antworten, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Bot.

Freundschaftsanfragen von Usern, die du nicht kennst und deren Profile seltsam auf dich wirken, nicht annehmen! Die meisten sozialen Netzwerke bieten eine Funktion an, mit der du solche Profile melden kannst.

Bald unsere besten Freunde: Siri, Alexa und der Kundenservice-Bot

Momentan wird die Entwicklung von selbstlernenden Computerprogrammen vorangetrieben. Ein Chat-Bot, der individuell auf die Fragen eines Kunden reagieren kann oder ein Sprachassistenz, der sich besonders mit deinen Hobbies auskennt, macht die Programme noch menschenähnlicher. Siri und Alexa verfügen schon über einen Anteil künstlicher Intelligenz (KI). Ihr Algorithmus passt sich dem Verhalten des Nutzers an, sie lernen dazu.

Im Bereich des E-Commerce sehen Experten große Potentiale für Bots. Bald können sie für jeden Kunden passende Produkte empfehlen, Fragen zu Artikeln beantworten, Beschwerden regeln – und das zu jeder Tages- und Nachtzeit.